Schrift vergrößern Schrift normal Schrift verkleinern
Sie befinden sich hier: Besucherservice  // Aktuelles

Aktuelles/Hinweise

 

 

Schatz auf Schloß Burgk entdeckt
Spätgotische Holzbohlenwand für kurze Zeit wieder sichtbar

 

Bei Bauarbeiten im Museum Schloß Burgk wurde im Frühjahr diesen Jahres ein wahrer Schatz entdeckt. Im Zuge von Mauerwerksuntersuchungen, die die Ursache von Rissbildungen am Deckengewölbe der Schlosskapelle klären sollten, wurden im angerenzenden Chinasalon der Gobelin abgenommen und die Fachwerkwand geöffnet. Dabei stießen die Bauarbeiter nicht auf das erwartete Mauerwerk aus Stein, sondern auf Holzbauteile, woraufhin die Fachwerkwand Feld für Feld geöffnet wurde. Zu Tage trat dabei eine gut erhaltene Holzbohlenwand, die nach Schätzung von Fachleuten aus der Zeit um 1500 stammt, und damit das älteste erhaltene Bauteil von Schloß Burgk ist. Durch die Fachwerkwand wurde die dahinterliegende Holzbohlenwand samt Farbfassung bzw. Bemalung über die Jahrhunderte geschützt und konserviert, sodass sie sich in ausgezeichnetem Zustand befindet. Für die Erforschung der Baugeschichte von Schloß Burgk leistet diese Entdeckung einen großen Beitrag. Obwohl die ursprüngliche Raumsituation nicht mehr eindeutig nachzuweisen ist, konnte mit Hilfe alter Inventarbücher aus dem Jahr 1637 rekonstruiert werden, dass sich in den heutigen 'Weißen Zimmern' im 16. Jahrhundert die Bohlenstube befunden hat. Genutzt wurden Holzbohlenstuben dieser Art als Wohnraum bzw. 'gute Stube'. Die komplette Auskleidung mit Holz sorgte für ein angenehmes, warmes Raumklima und hatte zusätzlich eine wärmedämmende Wirkung. Ähnliche Bohlenstuben sind noch auf der Wartburg oder in verschiedenen Renaissance-Bürgerhäusern zu sehen. Ein nur teils erhaltener Türbogen lässt aufgrund seiner Position im Raum darauf schließen, dass der im 17. Jahrhundert als 'Lange Kammer' bezeichnete Raum die Grundfläche des jetzigen Chinasalons, Roten Salons und Musiksalons eingenommen hat und damit nur etwa ein Drittel kleiner war, als der darüber befindliche Rittersaal. Über einen heute noch als Flur erhaltenen schmalen Vorraum hat vermutlich eine Verbindung von der Bohlenstube zum alten Kirchenraum bestanden. Man kann davon ausgehen, dass die Bohlenwand auf Schloß Burgk im frühen 17. Jahrhundert - zusammen mit Veränderungen in der Kapelle (Einbau der Fürstenempore) - verkleidet und um 1700 mit einer barocken Sockelmalerei versehen wurde, die ebenfalls teilweise wieder freigelegt werden konnte. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in der ehemaligen Bohlenstube oder 'Langen Kammer' die 'Weißen Zimmer' eingerichtet. Entsprechend der um 1740 vorherrschenden Salonmode wurde der ursprünglich große Raum dabei in mehrere Salons unterteilt, die bis zuletzt als 'Paradezimmer' galten und mit Gobelin, Lampris, Stukkaturen und Fayencekacheln kostbar ausgestattet wurden.

 

Der Chinasalon ist trotz baubedingter Einschränkungen für den Besucherverkehr geöffnet, sodass die einmalige Gelegenheit besteht, einen Blick auf diesen überaus bedeutenden Fund zu werfen. Künftig soll die der Holzbohlenwand vorgeblendete Fachwerkwand wieder geschlossen und der Chinasalon in gewohntem Erscheinungsbild zu sehen sein.

  zum Seitenanfang